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Siehe, ich mache alles neu (Teil 2)

von Walter Lutz | 14. März 2026 | Kostbares

Astrid Eichler

In unterschiedlichen Kulturen hat das NEUE einen sehr verschiedenen Klang. In der Antike galt: „Presbyteron kreitton“, auf Deutsch: „Das Alte ist stärker.“

Im Judentum des Alten Testamentes aber bekommt das Neue einen ganz anderen wertvollen Klang. Gott ruft heraus in neues Land (Exodus) und in der Katastrophe des Volkes im Exil ist die größte Verheißung, dass Gott Neues schaffen wird! Lies mal das Buch Jesaja ab Kapitel 40 unter diesem Gesichtspunkt. Hier ist die Ankündigung des Neuen große Verheißung und tiefer Trost.

Und doch gibt es auch Passagen im Wort Gottes, in denen das Alte mehr gilt als das Neue. In den Büchern Prediger und Sprüche hat das Alte einen hohen Wert und Neues wird eher skeptisch betrachtet. Wie auch bei anderen Themen ist die Bibel nicht einstimmig, sondern mehrstimmig. Da gilt nicht entweder das Alte oder das Neue, sondern beides gehört zusammen.

Auch das Neue Testament kennt die selbstverständliche Hochschätzung des Alten und zugleich die Skepsis gegenüber aller Neuerungssucht (vgl. Apg. 17,21). Zugleich steht im Neuen Testament die Verkündigung Jesu im Mittelpunkt, die als „neue Lehre mit Vollmacht“ erlebt wird (vgl. Mk. 1,27; Mk. 2,21-22). Jesus begründet einen neuen Bund (vgl. Lk. 22,20).

Altes und Neues hat seinen je eigenen Wert.

Besonders spannend finde ich das Geschehen der Reformation: In dem Streben zurückzukehren hinter die Traditionen zu den uralten Quellen, entsteht etwas völlig Neues, eine neue Kirche. In der Folgezeit, der sogenannten „Neuzeit“, entwickelt sich die Überzeugung, das Neue ist das Gute und so dem Alten überlegen. Der Fortschrittsoptimismus ist fast grenzenlos gewachsen. Erst jetzt merken wir, dass das Neue nicht einfach so immer das Bessere ist. Es meldet sich die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, die meist jedoch nicht so gut war, wie sie in unserer Erinnerung erscheint.

Altes und Neues steht in einem spannungsvollen Verhältnis zueinander. Dabei ist vermutlich entscheidend, woher das Neue kommt, wer es ankündigt und herbeiführen wird, mit welchen Motiven und welchen Mitteln.

In unserer Jahreslosung ist es Gott, der das Neue ankündigt. Wie wird er es herbeiführen? Was kennzeichnet das Neue? Im griechischen Urtext des Neuen Testaments gibt es verschiedene Wörter für das Neue. (Fortsetzung folgt)

Astrid Eichler